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Erzählperspektive, Erzählhaltung, Zeitgestaltung

Bei der Prosaerschließung sollte, im Rahmen des Gliederungspunkts Erzähltechnik, auf die Erzählperspektive, Erzählhaltung und Zeitgestaltung des jeweiligen Textausschnitts eingangen werden. Gerade der Erzähler spielt im Rahmen der Prosa eine unheimlich große Rolle, da dieser dem Leser gewollt Informationen zuspielen und damit gewisse Effekte erreichen kann. Auf die Ergebnisse bzw. Feststellungen kann dann später im Rahmen der Deutung zurückgegriffen werden.

Erzählperspektive

Auktorialer Erzähler

In der Handlung anwesender und allwissender Erzähler, der im Austausch mit Figuren und dem Leser stehen kann. Der Erzähler kann dabei in die Vergangenheit zurücksehen, das Geschehen schlichtweg nur kommentieren oder auch Vorausdeutungen vornehmen.

Beispiel: „Als Martin an der Theke stand und abfällig über seine bisherigen Beziehungen spottete bemerkte er gar nicht, dass er heimlich von dem Mädchen beobachtetet wurde, das später seine Verlobte werden sollte.“

Personaler Erzähler

Das Erzählgeschehen wird von einem subjektiven und vor allem nicht allwissenden Erzähler wiedergeben, der in seiner Ansichtsweise von anderen Figuren o.ä. beeinflusst werden kann. Zur genaueren Unterscheidung vergleiche „Ich-Form“.

Beispiel: „Als ich Martin beobachtete wurde mir klar, dass auch er nur einer dieser Kerle war, die nie für mich in Frage kämen.“

Neutraler Erzähler

Die gesamte Handlung wird einzig allein neutral dargestellt und nicht weiter kommentiert. Vergleichbar mit Regieanweisungen aus Dramen.

Beispiel: „Martin steht vor der Theke und kauft sich ein Eis. Emilia beobachtet ihn dabei.“

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Ich-Form

Relativ einfach erkennbar lässt sich dieser Erzähler mit allen weiteren Erzählformen kombinieren. Dabei ist das erzählende Ich jedoch meist auch emotional in die Situation mit eingebunden und wird die Erzählung meist mit subjektiven Elementen verknüpfen. Dabei gibt es das erzählende Ich (=auktorialer Ich-Erzähler), welches Vorausdeutungen und spätere Wertungen bereits während dem aktuellen Geschehen vornehmen kann, sowie das erlebende Ich (=personaler Ich-Erzähler), welches das Geschehen aus Erinnerung oder aus dem jetzt wiedergibt.

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Erzählhaltung

Je nach Erzähltyp kann der Erzähler verschiedene grundlegende Erzählhaltungen annehmen. Dabei wird zwischen einer ironischen, einer kritischen und einer neutralen Erzählhaltung unterschieden. Diese können auch ineinander übergehen oder verschmelzen (z.B. kritischer Erzähler mit einzelnen ironischen-sarkastischen Elementen).

Zeitgestaltung

Bei der Beurteilung der Zeitgestaltung werden zwei Aspekte berücksichtigt: Die Erzählzeit (Zeit, die etwa beim Vorlesen benötigt wird) sowie die erzählte Zeit (Zeit, die während der Handlung vergeht). Ausgehend davon gibt es drei grundlegende Zeiteinteilungen.

Zeitraffung

Allgemein: Erzählzeit < erzählte Zeit

Dabei wird das Geschehen im Buch bzw. im jeweiligen Werk sehr kurz und knapp beschrieben, d.h. es finden zum Teil Sprünge über mehrere Jahre hinweg statt. Alternativ können auch einfache Ereignisse, beispielsweise ein Abendball, in ein bis zwei Sätzen abgehandelt werden, obwohl diese „in real“ einige Stunden dauern würden. Klartext: Beschleunigung oder eben Zeitraffung.

Zeitdeckung

Allgemein: Erzählzeit = erzählte Zeit

Hier gilt: Die Zeit, die zum erzählen der jeweiligen Szene benötigt wird, entspricht etwa der Zeit, die zum vorlesen benötigt wird. Dauert das Vorlesen, beispielsweise einer Textstelle bei der eine junge Dame einen Kuchen bäckt, ähnlich lange wie die Zeit die real zum Backen eines Kuchens benötigt wird, so spricht man von einer Zeitdeckung. Ähnliche Szenen werden zum Beispiel oft von Zwischendialogen begleitet, indem die kochende junge Dame sich währenddessen noch mit ihrer Mutter oder Schwester unterhält.

Zeitdehnung

Allgemein: Erzählzeit > erzählte Zeit

Bei der Zeitdehnung werden Handlungs- oder gar nur Bewegungsabläufe sehr detailliert und oft schon ermüdend ausführlich erzählt. Bei einem Badmintonaufschlag wird beispielsweise ein Bewegungsablauf, der in real unter einer Sekunde dauert, auf einer halben Seite beschrieben. Die zum (Vor-)lesen nötige Zeit ist damit deutlich größer als jene, die in der Erzählung verstreicht – es handelt sich damit um eine Zeitdehnung.

Fragen zur Erkennung der einzelnen Erzähler, Erzählhaltungen und der Zeitgestaltung

Zur Erkennung der obigen Unterpunkte bieten sich unter anderem folgende Fragen an: Wo befinden sich die Figuren, sowohl sozial als auch geographisch? Wie viel wissen die Figuren von sich selbst oder von der Zukunft? Wie wird die Geschichte dem Leser mitgeteilt, wird dieser direkt angesprochen? Finden einzelne Vorausdeutungen statt oder ist gar von Anfang an klar, wie die jeweilige Szene endet?

Für die spätere Erschließung: Wieso wird gerade an dieser Stelle eine Zeitdehnung (-raffung, -deckung,…) verwendet. Wieso wird der Leser direkt angesprochen? Wieso ist das Ende des Buchs von Anfang an klar?